Der Bewohner der Kuste sah sogar ohne weiteres in groBte Fernen. Bald schon lernte er, nach den Sternen Weg und Richtung zu bestimmen. Er beobachtete Wellen und Wogen und las aus ihnen ab, wohin er
sein Boot zu wenden hatte, wenn er sich auf das ewig gleiche Meer hinauswagte. Seefahrer sind es vornehmlich auch gewesen, die, von der Ferne angelockt, schon fruh in das Unbekannte vorstieBen, und denen in spaterer Zeit die groBten Entdeckungen der Geschichte gegluckt sind.
Wie jeder einzelne, so muBte auch jede Gemeinschaft, zu der die Menschen als gesellige Wesen sich zusammenschlossen, die heimische Landschaft und langsam fortschreitend die angrenzenden Lander fur sich entdecken. Uber lange Zeitraume hinweg fuhrten die einzelnen Gruppen oder Stamme ein Sonderleben. Nur selten kamen sie mit anderen in Beruhrung, und dann meist eher in kriegerischer als in friedlicher Absicht. Der Kampf ums Dasein lieB freilich fruh selbst unter den primitivsten Menschen ein, wenn auch noch so geringes Tauschbedurfnis entstehen, so daB sich schon in Urzeiten die Anfange eines Handels entwickelten. Zunachst mogen die Handelsobjekte Steine gewesen sein, die man zur Herstellung von Waffen und Geraten brauchte; denn nicht in jeder Landschaft gab es Material, das zur Bearbeitung gut geeignet war, in anderen Gegenden fehlte es ganz. In Europa ist bereits fur die Zeit um etwa 12000 v. Chr. ein geringer Handel mit Feuersteinen nachweisbar; ferner waren Quarzite und andere Steine begehrt. Auch Schmuckgegenstande gehorten zu den fruhesten Austauschwaren. Spater waren es Metalle, vor allem Kupfer, Zinn und die aus beiden gefertigte Bronze, ferner Eisen, Gold und Silber. Dazu kamen Topferwaren, Waffen, Gerate und vieles mehr.
Schon in vorgeschichtlichen Zeiten wurden von den einzelnen Handelswaren uberraschend groBe Entfernungen zuruckgelegt. Schneckengehause der nur am Mittelmeer vorkommenden Colu-mella rustica wurden in groBen Mengen in den Ofnethohlen bei Nordlingen (8000—3000 v. Chr.) gefunden. Bernstein von den nordfriesischen Kusten gehorte schon um 2500 v. Chr. zu den Grabbeilagen auf Kreta und zwischen 1700 und 1300 in Agypten. Freilich wurden die Waren nicht von einzelnen Handlern uber diese weiten Strecken hin verfrachtet; sie wanderten vielmehr im Tauschverkehr von Hand zu Hand, von Siedlung zu Siedlung und von Land zu Land. Aber selbst ein solcher Tauschhandel fuhrte zumindest zur Beruhrung mit Nachbarlandschaften, und dabei
mogen auch erste Nachrichten von fernen Landern und Volkern weitergegeben worden sein.
Spater, besonders seit der beginnenden Metallzeit, entwickelte sich ein Handlertum, das viele Lander durchwanderte und auch die See auf schwanken Schiffen durchquerte. Meist waren es allerdings Menschen, die den Eigenheiten fremder Lander und Volker wenig Beachtung schenkten, weil das Streben nach Gewinn und die Aufgaben des Handels im Vordergrund ihres Interesses standen. Gern aber schmuckten
sie die Ferne mit allerlei Schrecklichkeiten und Fahrnissen, mit seltsamem Getier und feindseligen Bewohnern aus, um andere davon abzuhalten, in die von ihnen bereisten Handelsgebiete vorzudringen und dort in Wettbewerb mit ihnen zu treten. Durch lange Jahrhunderte hindurch, bis in die neueste Zeit hinein, sind Handler wichtige und erfolgreiche Wegbereiter in der ErschlieBung fremder Lander gewesen. Aber nur in Ausnahmefallen haben sie ihre Erfahrungen uber Land und Leute der
money und Nachwelt preisgegeben. Selbst der beruhmteste Handelsreisende aller Zeiten, der Venetianer Marco Polo, wurde den bewundernswerten Bericht uber seine Chinareisen im ausgehenden.